Zum Gedenken an
Artemisia Gentileschi
Beim Prozess um ihre eigene Vergewaltigung als Zeugin gefoltert; malte Judith mit der Genauigkeit eines Schlachters
- Geboren
- Gestorben
- Lebte
- 62 Jahre
- Ruhestätte
- Neapel, Kampanien — ihre Grabstätte in der Kirche San Giovanni dei Fiorentini ging beim Abriss der Kirche verloren, Italien
Gentileschi wurde von ihrem Vater, einem Maler, in Rom ausgebildet und mit siebzehn von Agostino Tassi vergewaltigt, einem Kollegen, den man zum Perspektivunterricht angestellt hatte. Ihr Vater klagte — nach damaligem Recht wegen Schädigung seines Eigentums. Während des siebenmonatigen Verfahrens wurde sie unter Folter vernommen, Daumenschrauben angezogen, während sie ihre Aussage wiederholen musste, mit der Begründung, Schmerz erweise die Wahrheit. Tassi wurde verurteilt, das Urteil nie vollstreckt. Das Protokoll ist erhalten und wird heute als Dokument darüber gelesen, wie man solche Fälle behandelte.
Sie verließ Rom und wurde als erste Frau in die Zeichenakademie von Florenz aufgenommen, arbeitete für die Medici, korrespondierte mit Galilei, führte eine eigene Werkstatt und malte später in Neapel und am englischen Hof. Ihre Judith enthauptet Holofernes zeigt zwei Frauen bei schwerer körperlicher Arbeit in völliger Konzentration, und genau das unterscheidet sie von jeder männlichen Fassung. Sie starb um 1656 in Neapel, wahrscheinlich in der Pest, die die halbe Stadt tötete. Die Kirche, in der sie bestattet wurde, ist abgerissen; ein Grab gibt es nicht, und drei Jahrhunderte lang liefen ihre Bilder unter dem Namen ihres Vaters.
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